Große Entdecker
Um 1000: Ein Wikinger entdeckt Amerika
Tagelang schon irrt er auf dem Atlantik herum. Der Wikinger Leif Eriksson ist auf dem Rückweg von Island in seine Heimat Grönland vom Kurs abgekommen. Dann ein Hoffnungsschimmer: Seine Raben, die ihm beim Navigieren helfen und vorausgeflogen sind, entdecken Land. Leif Eriksson treibt seine Leute an, den Vögeln zu folgen. Wenig später erreichen sie das Ufer. Ein unwirtlicher Flecken Erde erstreckt sich vor ihnen - grau und karg. Eriksson tauft ihn "Vinland". Vermutlich ist er im heutigen Kanada angekommen - und hat damit fast 500 Jahre vor Kolumbus Amerika "entdeckt". Eriksson segelt in seine Heimat zurück. Dort feiern sie ihn mit Met, Walfleisch und Rentiersteaks. Den Wikingern, die in Vinland bleiben, geht es nicht so gut. Viele hungern oder werden von den Ureinwohnern vertrieben. Vinland gerät in Vergessenheit - und mit ihm die Entdeckung Amerikas.
1271: Marco Polo bricht nach Asien auf
Seine Reisebeschreibungen sind der Stoff, aus dem die Träume der Entdecker sind; sie sind Pflichtlektüre für die Seefahrer. In "Die Wunder der Welt" berichtet Marco Polo (1254-1324) über seine Reisen durch China. 1271 macht sich Marco Polo gemeinsam mit seinem Vater und seinen Onkel auf den Weg nach Asien. Sie wollen Handelswege auf dem Land erkunden, über die sie Gewürze und Stoffe nach Europa bringen können. Die Seewege nach Asien sind viel zu gefährlich und im Besitz der mächtigen Mongolen. Marco Polo sucht den Kontakt zum Großkahn. Der ist begeistert von der Klugheit des jungen Italieners und ernennt ihn zu seinem Gesandten. Polo bereist das ganze Reich, erkundet Südostasien. Kein anderer Europäer hat das vor ihm getan. Erst 17 Jahre später, 1292, macht er sich auf den Weg zurück nach Venedig.
1295: Marco Polo kehrt nach Italien zurück
So sieht kein kaiserlicher Gesandter aus: Marco Polo trägt Lumpen, als er 1295, nach einer turbulenten Reise, fast unbeachtet in den venezianischen Hafen einfährt. Nicht seine Entdeckungsreise macht ihn schließlich berühmt, sondern die Tatsache, dass er sie aufgeschrieben hat. "Die Wunder der Welt" entstehen vermutlich 1298, als Polo während des Krieges zwischen Genua und Venedig in Gefangenschaft gerät. Dort lernt er den berühmten Reiseschriftsteller Rusticello kennen, der Polos Fakten mit viel Fiktion anreichert - und den Bestseller des Mittelalters formuliert. Doch es kommen Zweifel an seinen Geschichten auf. Polos Reisebeschreibungen lassen sich nur schwer zu einer Route zusammensetzen. Wie auch immer: Marcos Polos Aufzeichnungen regen die Phantasie der Entdecker an. Allen voran die von Kolumbus.
1405: Ein vergessener Entdecker - Zheng He
Er ist seinen Entdeckerkollegen in vielem voraus: Seine Mannschaft ist größer als die des Kolumbus. Während dieser später 90 Mann und drei Schiffe befehligen wird, hat der Chinese Zheng He (1371-1435) das Sagen über 60 Riesenschiffe und 28.000 Mann Besatzung. Seine Schiffe sind die schnellsten in der Entdeckungsgeschichte. Sieben Expeditionen leitet er zwischen 1405 und 1433. Und wahrscheinlich erreicht Zheng He dabei 1421, gut 70 Jahre vor Kolumbus, den amerikanischen Kontinent: Mit vier Schiffen bricht er auf und segelt zum Kap der Guten Hoffnung nach Afrika. Von da aus fährt er weiter über den Atlantik nach Amerika. Drei Schiffe lassen sich von Wind und Strömung weiter nach Osten treiben und entdecken dabei Australien. Trotzdem gerät der Entdecker, ein Zwei-Meter-Hüne mit Fistelstimme, in Vergessenheit. Denn wenig später verbietet der chinesische Kaiser die Schifffahrt, weil sich China auf die Verteidigung des Landes gegen die Türken und Mongolen konzentrieren muss. Das kostet ein Vermögen. Für die Seefahrt bleibt nichts übrig.
1492: Kolumbus - Entdecker aus Versehen
Es ist purer Zufall, dass Christoph Kolumbus Amerika entdeckt - an jenem 12. Oktober 1492. Zehn Wochen sind er und seine Flotte nun schon unterwegs, die Besatzung wird ungeduldig. Dichtes Seegras auf dem Atlantik schürt immer wieder die Hoffnung, der indischen Küste ganz nahe zu sein. Dann, im Morgengrauen, ein Schrei: "Land in Sicht!" Kolumbus glaubt, endlich den Seeweg nach Indien gefunden zu haben. Er irrt. Kolumbus ist nicht in Indien angelangt, sondern in der Karibik. Der amerikanische Kontinent versperrt den Weg nach Asien wie ein großer Riegel. Kolumbus hatte sich gewaltig verrechnet und den Erdumfang um ein Viertel unterschätzt. Dass er mit seiner Mannschaft überhaupt Land erreicht und nicht im gefürchteten "Meer der Finsternis" verschollen geht, ist nichts als Zufall.
1493: Ein Entdecker verbreitet Angst und Schrecken
Ein Jahr nach seiner großen Entdeckung segelt Kolumbus 1493 erneut nach Amerika - mit 17 Schiffen, etwa 1200 Bauern, Handwerkern und Kriegern, bewaffnet mit Vorderladern und Bluthunden. Diesmal will der fromme Kolumbus als reicher Mann zurückkehren und verwandelt sich in einen Tyrannen. Er hat inzwischen eine weitere Insel entdeckt und Hispaniola getauft (heute Haiti und Dominikanische Republik). Von da aus verbreitet er Furcht und Schrecken. Wer nicht genügend Gold abliefert, dem hacken seine Leute die Hand ab. Hunderte Indios werden auf Schiffe gepfercht und versklavt. Über so viel Grausamkeit ist selbst die spanische Königin entsetzt. Sie lässt ihren Entdecker in Ketten legen und 1500 zurück nach Spanien bringen. Dort wird er zwar noch einmal rehabilitiert, doch sein Ende ist besiegelt: 1506 stirbt Kolumbus - vergessen und verarmt.
1498: Vasco da Gama landet in Indien
Kolumbus hatte davon geträumt und gedacht, den Seeweg nach Indien gefunden zu haben. Doch die Flotte, die am 20. Mai 1498 Anker vor Südindien wirft, wird von Vasco da Gama kommandiert. Ein Lotse, der in Afrika an Bord gekommen ist, erkennt die Stadt Kalicut wieder. Salutschüsse. Jubel. Der portugiesische Seefahrer hat die Seeroute von Europa nach Indien erschlossen. Ein knappes Jahr vorher war er mit seiner Flotte von Lissabon aus gestartet. Entschlossen, eine außergewöhnliche Route zu segeln. Niemand vor ihm war so weit aufs Meer hinaus gefahren, niemand kannte die Sternbilder. Eine Fahrt ins Blaue. Doch mit seiner Route trifft er mitten ins Schwarze. Vasco da Gama schließt Handelsverträge und macht sich - mit Kisten und Säcken voller Gewürze - auf den Heimweg, zurück nach Lissabon.
1524: Vasco da Gama fährt in sein Königreich
Er bricht als armer Schlucker auf - um als reicher Mann von Indien nach Portugal zurückkehren. Seine ersten Verhandlungen mit den indischen Gewürzhändlern sind geprägt von Diplomatie. Auf seiner nächsten Reise, 1502, nutzt er die Inder aus, zwingt sie, auch ungerechte Verträge zu unterschreiben. Portugal wird zur stärksten Seemacht des 16. Jahrhunderts und da Gama ein berühmter Mann. Er lebt ein ehrenvolles Adelsleben. Bis 1524. Der portugiesische König stirbt, in den Kolonien in Asien geht es drunter und drüber. Der Hof beschließt Vasco da Gama mit der Aufgabe zu betrauen, Korruption und Misswirtschaft zu bekämpfen. Am 5. April 1524 macht er sich nach Indien auf. Fast alle Machthaber wechselt er aus, setzt Soldaten ein - mit letzter Kraft. Denn Vasco da Gama ist sterbenskrank und stirbt drei Monate später. Sein Leichnam wird nach Portugal überführt.
1520: Magellan entdeckt "seine" Straße
Ein Albtraum auf hoher See: Niemand erspäht Land. Nirgendwo Trinkwasser, Nahrung. "Wir aßen schließlich, um nicht hungers zu sterben, das Rindleder, mit dem die dicken Taue überzogen waren", schreibt der Schiffschronist. Doch Fernando Magellan (1480-1521) treibt seine Leute weiter an. Er ist besessen von dem Gedanken, als erster um die Südspitze Chiles zu den Gewürzinseln zu segeln. An Bord wächst die Ungeduld, es kommt zur Meuterei, bei der Magellan einen Kapitän vierteilen lässt. Am 21. Oktober 1520 aber sichtet Magellan Land, womöglich der Eingang zur Passage, die später seinen Namen tragen wird. Der erste Teil der Durchfahrt gelingt leicht. Dann aber verengt sich der Weg. Der Gegenwind ist so stark, dass die Matrosen teilweise die Schiffe mit Ruderbooten vorwärts schleppen. Am 28. November 1520 schließlich erreicht Magellan das offene Meer. "Seine" Straße ist durchquert.
Magellan unterschätzt die "Wilden"
Mit der Entdeckung der Magellan-Straße ist die erste Mission erfüllt, doch Fernando Magellan will weiter zu den Gewürzinseln. Er nimmt Kurs auf die philippinische Insel Cebu. Der Seeweg dorthin ist lang und hart, die Vorräte sind schon lange verbraucht. Am 6. März 1521 kommt er dort an. Er besucht auch das wenig fruchtbare Inselchen Mactan, von Cebu nur durch eine schmale Wasserstraße getrennt. Knapp drei Wochen nach der Landung auf Cebu findet Magellan den Tod: Er provoziert einen Kampf mit dem Inselfürsten von Mactan, weil der sich dem Portugiesen nicht unterwerfen will. Magellan ist siegessicher, doch die giftigen Pfeile der Bewohner hat er unterschätzt. Wild greifen die Insulaner die Weißen an. Am Ende des Tages liegt Magellan tot am Strand. Seine Mannschaft kehrt mit Kisten voller wertvoller Gewürze nach Portugal zurück. Erst später wird klar, dass damit die erste Weltumseglung gelungen – und die Erde definitiv eine Kugel ist.
1580: Pirat Francis Drake umsegelt die Welt
Niemand flößt den französischen, spanischen und portugiesischen Seefahrern mehr Schrecken ein als Francis Drake. Er ist ein hervorragender Seefahrer, vor allem aber ein Pirat. Genau so einen Seefahrer braucht die englische Königin, die die Seehoheit der Spanier brechen und den unbekannten Südkontinent erobern will. 1577 sticht er in See. Vom englischen Plymouth aus segelt er die afrikanische Küste entlang, weiter in Richtung Magellanstraße im Süden Chiles. Der gigantische Südkontinent ''Terra Australis'', den er auf der pazifischen Seite vermutet, ist nicht in Sicht. Weiter geht es nach Westen. Im Juni 1580 umsegelt Drake als erster Europäer das Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas. Ungeplant schafft er damit die zweite Weltumrundung. Von seiner Reise bringt er Königin Elisabeth I. reiche Beute mit, denn immer wieder hatte er Schiffe gekapert, Städte geplündert und seine Truhen gefüllt. Die Königin schlägt ihn zum Ritter.
1769: James Cook entdeckt den "Südkontinent"
Ein Abenteurer ist James Cook, ein Dickschädel, ein Forscher - ein Entdecker. Als er 1768 den Auftrag bekommt, mit dem Schiff "Endeavour" die Südhalbkugel zu erforschen, geht für ihn ein Lebenstraum in Erfüllung. Irgendwo hinter dem asiatischen Kontinent vermuten die Wissenschaftler eine riesige Landmasse. Doch bislang zeigt die Karte nur einen weißen Fleck - Cook, der auch ein hervorragender Kartograph ist, soll den füllen. James Cook umsegelt das Kap Horn. Entschlossen steuert er weiter nach Süden als je ein Seefahrer vor ihm. Im April 1769 erreicht er Tahiti. Er nimmt Kurs auf Neuseeland; ein Kontinent aber ist da nicht. Neuseeland ängstigt ihn. Die Ureinwohner essen Menschenfleisch. Er fährt weiter nach Australien, kartographiert die Ostküste. Sein Schiff rammt im Juni 1770 ein Riff. Nur mit Mühe kommt Cook im Juni 1771 nach London zurück.
1779: Cook landet auf Hawaii: Paradies und Hölle
Er hätte einen ruhigen Lebensabend in London verleben können. Berühmt und reich ist Cook nach zwei erfolgreichen Entdeckungsfahrten allemal. Doch 1776 sticht er wieder in See. Er will die Nordwest-Passage finden, einen Seeweg im hohen Norden Amerikas, der Pazifik und Atlantik verbindet. Seine Mission steht unter einem schlechten Stern. Ständig herrscht Flaute. Meterhohes Packeis bremst ihn aus. Im Januar 1779 landet Cook immerhin als erster Europäer auf Hawaii. Die Menschen dort huldigen ihm, halten ihn für einen Gott. Als sich Cook im Februar auf den Rückweg machen will, bricht ein Mast. Die Hawaiianer werden misstrauisch - so etwas kann einem Gott nicht geschehen. Als Cook für Reparaturarbeiten zurückkehrt, kippt die Stimmung. Es kommt zum Streit, zum Kampf, zum Krieg. Cook stirbt nach einem Keulenschlag.
1840: David Livingstone erforscht den schwarzen Kontinent
Afrika ist Mitte des 19. Jahrhunderts ein weißer Fleck auf den Landkarten. Der englische Missionar und Mediziner David Livingstone (1813-1873) will dies ändern. 1840 reist er nach Afrika um den Menschen den christlichen Glauben zu vermitteln. Erfolg hat er damit nicht - einen einzigen Menschen bekehrt er in 33 Jahren. Deshalb wendet er sich der Erforschung des Kontinents zu. Livingstone durchquert den Kontinent, erforscht die Kalahari-Wüste, entdeckt die Kongo-Quellen und Victoria-Fälle. Bloß die Nil-Quellen sucht er vergebens. Immer wieder vertröstet er die Herren der Royal Geographic Society, seine Geldgeber in England. Die kündigen ihm schließlich die Mitgliedschaft. Der Afrikaforscher, der mit primitivsten Mitteln arbeitet und selten Erfolge vermelden kann, ist ihnen peinlich. Vielleicht ist er ohnehin schon tot, von Löwen gefressen, in der Wüste verdurstet oder von einem Dschungelvolk gefangen genommen. 1871 gilt Livingstone als verschollen.
1871: Ein Treffen geht in Geschichtsbücher ein
Henry M. Stanley, ein Zeitungsreporter aus New York, traut seinen Ohren nicht. Er soll sich auf die Suche nach David Livingstone machen. Geld spiele keine Rolle, sagt der Verleger. Hauptsache, er komme mit einer exklusiven Reportage über den Afrikaforscher zurück. 1871 macht sich Stanley auf die Reise. Livingstone ist zu diesem Zeitpunkt zwar nicht tot, wie befürchtet, aber todkrank. Verzweifelt schreibt er 42 Briefe, bittet um Hilfe - die ist unterwegs: Stanley hat 200 Helfer im Schlepptau und 6000 Kilo Vorräte. Im Herbst treffen sich die beiden. Der Reporter mit polierten Schuhen steht dem Mann in Lumpen gegenüber: "Dr. Livingstone, I presume." ("Dr. Livingstone, wie ich annehme.") Ein Satz für die Geschichtsbücher. Vier Monate verbringen die Männer zusammen. Zurück nach England will Livingstone nicht. 1873 stirbt er in Sambia. Freunde tragen seinen Leichnam quer durch den Kontinent ans Meer, damit ihn ein englisches Schiff nach Hause bringen kann.
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Niemand hat die Karten dieser Welt so verändert wie der Entdecker James Cook (1728-1779). Auf seinen großen Reisen durchkreuzt er alle Ozeane, entdeckt Länder und kartographiert deren Küsten.











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